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rbbonline | Bilderbuch


Luftaufnahme vom Tegeler See
Tegel ist erstaunlich reich an Attraktionen. Nicht nur einen bekannten Flughafen, sondern auch die größte JVA Deutschlands gibt es in diesem - zu Unrecht - weniger bekannten Stadtteil Berlins.
Flughafen Tegel
Der Flughafen ist das erste was jedermann mit Tegel verbindet. Unverwechselbar ist seine Architektur, wie beispielsweise ein sechseckiges Terminal, das kurze Wege zu den Gates ermöglicht.
Dennoch wird er dem gestiegenen Flugverkehr und den veränderten Anforderungen zunehmend weniger gerecht. So sind seine Tage seit dem Bau des Großflughafens BBI (jetzt BER) gezählt.
Tegeler See
Der Tegeler See ist mit 408 Hektar der zweitgrößte See Berlins mit der besten Wasserqualität. Um ihn herum schlängelt sich der Tegeler Forst und im See befinden sich sieben Inseln.
Der zum Hafen führende Weg, die Greenwichpromenade – die an Tegels Partnerschaft zum Londoner Stadtteil Greenwich erinnert, ist das touristische Zentrum von Tegel mit Badeanstalten, Restaurants und Schiffsanlegestellen.
Schulfarm Scharfenberg
Mit 20 Hektar ist Scharfenberg die größte Insel im Tegeler See. Bekannt ist die Insel durch seine Schulfarm, die 1922 von dem Reformpädagogen Wilhelm Blume gegründet wurde. Nachdem ab 1932 die Insel Treffpunkt für kommunistische Jugendliche um den Scharfenberg-Schüler Hans Coppi wurde, übernahm ein Mitglied der NSDAP die Schule und verwandelte sie in eine "Pflanzstätte nationalsozialistischer Erziehung".
Nach dem Krieg wurde wieder Wilhelm Blume Direktor der Schule. Heute führt die Schule bis zum Abitur und bietet sowohl Internats- als auch externen Schülern die Möglichkeit zur landwirtschaftlichen und handwerklichen Arbeit im Rahmen des Unterrichts.
Valentinswerder
Die zweitgrößte Insel im Tegeler See ist Valentinswerder. Erstmalig Furore machte die Insel Mitte des 18. Jahrhunderts als der erste Bewohner dort im Alkoholrausch ertrank und Jahre später sein Sohn ihm diesen Weg folgen sollte.
Ein Jahrhundert später eigneten sich die Insel Großstädter als ihr Refugium an und ließen dort Alleen und Parks anlegen. Heute haben die etwa ein Dutzend Häuser sogar Strom und werden von einem Inselwart betreut. Dennoch erinnert die Insel an vielen Stellen immer noch an einen Dschungel – pure Wildnis mit seltenen Tieren und quakenden Fröschen.
Borsigwerke
1898 siedelten sich die Borsigwerke direkt am Tegeler See an, um zu Wasser und zu Land erreichbar zu sein. Europas größter Dampflok-Fabrikant ließ 1922 auch das erste Hochhaus Berlins bauen: Den Borsigturm, der mit 65 Meter Höhe immer noch das Gelände regiert.
Heute ist die industrielle Produktion weitgehend eingestellt und es entstanden die "Hallen am Borsigturm" mit vielen kleinen innovativen Firmen aber auch ein Einkaufs- und Freizeitzentrum. Dies gilt als ein positives Beispiel für die Urbanisierung von frei werdenden Industrieflächen.
Schloss Tegel
Am Nordufer des Tegeler Sees liegt das Schloss Tegel, was auch Humboldt-Schloss genannt wird, da Alexander und Wilhelm von Humboldt in diesem einstigen Jagdschloss aufwuchsen. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ließ es Alexander von Humboldt durch Karl Friedrich Schinkel im Stil des Klassizismus umbauen.
Inspiriert von den Villen Palladios entstand eine Auseinandersetzung von Kunst, Wissenschaft und Natur. Auf den vier Türmen des Schlosses setzte Schinkel die acht Windgötter – angelehnt an den "Turm der Winde" in Athen. Heute gehört das Schloss den Nachfahren Humboldts, die es in Teilen zur Besichtigung öffnen.
Hannah Höch Haus
Unweit des Tegeler Sees bezog die DADA-Aktivistin Hannah Höch 1939 ein Haus, das sie bis zu ihrem Tode 1978 bewohnte. Gerade in der Nazizeit, als sie nicht von ihrer Kunst leben konnte, ermöglichte ihr der Garten ein Überleben. Sie verkaufte selbstangebautes Gemüse oder Blumen auf dem Markt.
Ganz wie sie es verfügt hatte, bekam nach ihrem Tode ein gärtnernder Künstler das Haus. Johannes Bauersachs hütet das verwunschene Paradies und erhält die unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Sinne von Hannah Höch.
Justizvollzugsanstalt Tegel
Weniger idyllisch ist die Justizvollzugsanstalt in Tegel, die Platz für weit mehr als 1500 Häftlinge hat und damit Deutschlands größtes Gefängnis ist. Der über hundert Jahre alte Bau wurde mittlerweile so umgebaut, dass die ausschließlich männlichen Häftlinge zumindest einen Blick nach draußen haben.
Ursprünglich gab es nur Luken statt Fenster. In den Häftlingswerkstätten werden Produkte aus unterschiedlichen Gewerken hergestellt, die man JVA-Shop kaufen kann und wegen ihrer guten Verarbeitung sehr geschätzt sind.
Buddhistisches Haus
Ein Ort ganz anderer Stimmung liegt nördlich des Tegeler Forstes, in der Villenkolonie Frohnau. Dort führt hinter einem Elefantentor eine steile Treppe, die den achtfachen Pfad Buddhas zur Erlösung vom Leid der Vergänglichkeit symbolisiert, zum Buddhistischen Haus.
1924 ließ der deutsche Arzt Paul Dahlke diesen Tempel erbauen, der heute als ältester buddhistischer Tempel Europas gilt. Derzeit steht ein Mönch aus Sri Lanka vor, der das Haus offen für all jene hält, die eine innere Läuterung suchen, soweit dies mit der westlichen Lebenswelt vereinbar ist. Das "Buddhistische Haus" zählt zum Nationalen Kulturgut und steht unter Denkmalschutz.
Film von Sabine Carbon
Erstsendung: 14.09.08/ARD 1./rbb
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