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Die Steine stürzten unter dem Jubel der Menschen um.
Der Fall einer 1,5 Kilometer langen symbolischen Mauer aus übermannshohen, bemalten Dominosteinen aus Styropor hat beim "Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor in Berlin am Montagabend den Höhepunkt gebildet.
Der frühere polnische Gewerkschaftsführer und Staatspräsident Lech Walesa und der ehemalige ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth gaben den Anstoß am ersten Stein. Damit sollte an den "Domino-Effekt" erinnert werden, der nach dem 9. November 1989 die Überwindung der deutschen und europäischen Teilung möglich machte.
Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor zehntausenden Besuchern den Fall der Mauer vor 20 Jahren als "wahrhaft glückliche Stunde der Deutschen" bezeichnet. Freiheit entstehe nicht von selbst, sondern müsse erkämpft werden.
Auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der russische Präsident Dmitri Medwedew, der britische Premierminister Gordon Brown und US-Außenministerin Hillary Clinton würdigten den Mauerfall. US-Präsident Obama forderte in einer Videoübertragung, den Geist der Freiheit wachzuhalten.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte als Gastgeber des Festes die Menschen, die durch ihre Proteste in der DDR den Fall der Mauer erst ermöglicht haben. "Unsere Freiheit ist ihr Werk", sagte Wowereit. "Ein glückliches Berlin grüßt die Menschen in der ganzen Welt."
Das "Fest der Freiheit" begann um 19 Uhr mit einem Konzert der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Stardirigent Daniel Barenboim. Als Überraschung des Abends spielte die Staatskapelle nach Musik von Richard Wagner, Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven den Berliner Gassenhauer "Berliner Luft" des Komponisten Paul Lincke, der von Star-Tenor Placido Domingo gesungen wurde.
Ein großes Feuerwerk beendete die Feierlichkeiten am Brandenburger Tor.
Treffen auf der Bösebrücke
Gemeinsam mit dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und dem Mitbegründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, überquerte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Nachmittag symbolisch die frühere Grenze zwischen Ost und West. Auf der Bösebrücke am früheren Grenzübergang Bornholmer Straße, wo am Abend des 9. November 1989 zuerst die Grenze geöffnet wurde, trafen die Politiker mit ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern und Zeitzeugen der Grenzöffnung zusammen.
Der heutige Tag sei nicht nur ein Feiertag für Deutschland, sondern für ganz Europa, sagte Merkel bei dem Festakt. Er sei auch ein Feiertag für alle Menschen auf der Welt, die für mehr Freiheit kämpfen. Sie danke deshalb allen, die den Mauerfall möglich gemacht haben.
Die Kanzlerin verbindet mit der früheren Grenzbrücke zwischen den damaligen Berliner Bezirken Prenzlauer Berg im Osten und Wedding im Westen auch persönliche Erinnerungen: Merkel war vor 20 Jahren selbst über den Grenzübergang am S-Bahnhof Bornholmer Straße in den Westen gegangen.
Köhler empfängt Staatsgäste
Bundespräsident Horst Köhler hat am Abend Staatsgäste aus aller Welt in seinem Amtssitz in der Hauptstadt empfangen. Er würdigte die Ereignisse vom 9. November als eine "Epochenwende zu Freiheit und Demokratie". Er dankte in seiner Rede allen Freunden und Partnern, die den Deutschen die Wiedervereinigung in Freiheit gebracht hätten. Diese Nation werde das nicht vergessen, betonte Köhler.
Zu den Gästen im Schloss Bellevue gehörten der russische Präsident Dmitri Medwedew, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, der britische Premier Gordon Brown sowie US-Außenministerin Hillary Clinton. Auch die meisten der 27 EU-Staats- und Regierungschefs nahmen teil.
Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an erlittenes Unrecht in der DDR erinnert. Enteignetes Land könne relativ leicht wieder zurückgegeben werden, "verlorene Lebenschancen und Angst und Sorge, Sippenhaft" könne man nur schwer wieder gut machen, so Merkel. Sie rief zu weiteren Anstrengungen auf, um die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Ost und West zu überwinden.
Ökumenischer Gottesdienst in Gethsemane-Kirche
Am Morgen nahmen Vertreter des Staates und der beiden großen Kirchen an einem ökumenischen Gottesdienst in der Gethsemanekirche im Stadteil Prenzlauer Berg teil, darunter auch Bundespräsident Horst Köhler. Die Kirche gilt als ein Zentrum der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR.
Der evangelische Berliner Bischof Wolfgang Huber warnte vor einer Verharmlosung des DDR-Unrechts und mahnte, die damals erkämpfte Freiheit zu bewahren.
In seiner Predigt rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch dazu auf, gemeinsam in Ost und West, in Geduld und Ausdauer weiter Brücken zueinander zu bauen.
Momper erinnert an Opfer der Teilung
In der Versöhnungskirche an der Bernauer Straße wurde am Vormittag der Opfer der Mauer gedacht. Der Präsident des Abgeordnetenhauses Walter Momper sagte am Abend der rbb-Welle radio-Berlin 88,8, bei aller Freude über den Fall der Mauer dürften die Opfer nicht vergessen werden. Momper war am 9.November 1989 Regierender Bürgermeister in Berlin.
Der Vizepräsident des Bundestages, Wolfgang Thierse, nannte den Fall der Mauer ein "großes historisches Glück". Im rbb Inforadio rief er dazu auf, gelassener mit den Gegensätzen zwischen Ost und West umzugehen. Man habe 40 Jahre in getrennten Welten gelebt. Das müsse Nachwirkungen in der Wertehierachie und im Selbstverständnis von Menschen haben.
Gorbatschow mit Büste geehrt
Für seine Verdienste um die deutsche Einheit ehrte der Axel-Springer-Konzern am Montag den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. In der Axel-Springer-Passage wurde eine 1,88 Meter hohe Bronze-Büste des früheren Partei- und Staatschefs enthüllt.
Deutschlands Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) würdigte Gorbatschows historische Leistung bei der Überwindung der deutschen, europäischen und weltweiten Teilung.
Gorbatschow erklärte, 1989 sei ein sehr wichtiges Jahr gewesen, das einen Schlusspunkt nach dem Kalten Krieg gesetzt habe.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2009_11/mauerfall-feiern.html