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Die Jubiläumsausgabe der Berlinale hat einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt und sich damit als weltgrößtes Publikumsfestival der Filmbranche behauptet. Wie die Internationalen Filmfestspiele am Sonntag in Berlin mitteilten, kamen zur 60. Ausgabe der Berlinale mehr als 300.000 Besucher in die Kinos der Stadt. Das sind rund 30.000 mehr als im vergangenen Jahr.
Glückwunsch-Telegramm vom türkischen Präsidenten
Mit der Verleihung des Goldenen und der Silbernen Bären hatte das Festival am Samstagabend seinen Höhepunkt erreicht. Zum ersten Mal seit 46 Jahren vergab die Jury den Preis für den besten Spielfilm wieder an einen türkischen Beitrag. Der Film "Bal" ("Honig") von Regisseur Semih Kaplanoglu war zuvor bereits beim versammelten Fachpublikum zum eindeutigen Favoriten gekürt worden. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül gratulierte dem Regisseur in einem Telegramm und würdigte das hohe Niveau des Films. Die Türkei freue sich mit dem Filmemacher, so Gül. Kaplanoglu erzählt in "Bal" von einer Kindheit im ländlichen Anatolien.
Doppelsieger Russland und Rumänien
Bei der feierlichen Gala mit 1600 Gästen konnte wurde der russische Film "How I Ended This Summer" gleich zwei Preise abräumen: Das Drama um einen alten und einen jungen Mann auf einer Wetterstation in der Arktis erhielt den Zuschlag in der Kategorie "Bester Darsteller", gleichermaßen verteilt auf seine zwei Schauspieler, Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis, sowie einen Silbernen Bären für den Kameramann Pavel Kostomarov, der die unwirtliche Polargegend in magischen Bildern auf die Leinwand zu bringen vermochte.
Der rumänische Beitrag "If I Want To Whistle, I Whistle" von Florin Serban, der in einer Jugendstrafanstalt spielt, erhielt mit dem Großen Preis der Jury sowie dem Alfred-Bauer-Preis für die "Eröffnung neuer Perspektiven in der Filmkunst" ebenfalls zwei Auszeichnungen.
Polanski wird in Abwesenheit bester Regisseur
Als besten Regisseur kürte die siebenköpfige Jury um Werner Herzog den derzeit unter Hausarrest in der Schweiz stehenden Roman Polanski für seinen Thriller "Ghostwriter". Den Silbernen Bären nahm der Regisseur wie erwartet nicht persönlich entgegen. Polanski ließ durch seinen Produzenten seinen Dank ausrichten, aber auch die Nachricht, dass er in keinem Fall selbst gekommen wäre, schließlich sei er das letzte Mal, als er einen Preis annehmen habe wollen, verhaftet worden.
Große Überraschungen blieben bei der Preisvergabe damit weitgehend aus. Lediglich der Silberne Bär für die beste Darstellerin an Shinobu Terajima in "Caterpillar" sorgte für eine kleine Überraschung: Der Film des Japaners Koji Wakamutsu zeigt einen Kriegsverbrecher als gefeierten, aber grausam verstümmelten Helden, dessen von Terajima gespielte Witwe zwischen Abscheu und Stolz, Pflicht und Fürsorge schwankt.
Die drei deutschen Filme im Wettbewerb gingen leer aus.
Starauflauf am Roten Teppich
Das Gros der Wettbewerbsfilme widmete sich in diesem Jahr überwiegend düsteren Themen wie Isolation, Einsamkeit und Sinnsuche. Kritiker der Filmfestspiele bemängelten vor allem, dass unter den Favoriten keine wirklich herausragenden Meisterwerke oder innovative Neuentdeckungen gewesen seien. Seinem Ruf, ein stark politisiertes Festival zu sein, blieb sich die Berlinale jedoch treu.
Trotz einiger Absagen kamen wieder zahlreiche Stars und prominente Filmkünstler nach Berlin, darunter Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Shah Rukh Khan, Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Ben Stiller, Julianne Moore, Jasmila Žbanić, Martina Gedeck, Gérard Depardieu, Isabelle Adjani, Sibel Kekilli, Wolfgang Kohlhaase und Hanna Schygulla – letztere wurden mit einer Retrospektive und einem Ehrenbären zugleich für ihr Lebenswerk geehrt.
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