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Bei einer festlichen Gala mit rund 1600 Gästen sind am Samstag in Berlin die Silbernen Bären der 60. Internationalen Filmfestspiele verliehen worden. Die mit drei Filmen im Wettbewerb vertretenen Deutschen gingen bei den Hauptpreisen leer aus.
Roman Polanski ausgezeichnet für beste Regie
Der Silberne Bär für die beste Regie ging an Roman Polanski für seinen Film "The Ghostwriter". Die Produzenten des Films nahmen den Preis für den Starregisseur entgegen, der derzeit in der Schweiz unter Hausarrest steht. Sie dankten vor allem der deutschen Filmförderung und dem Drehteam. "Ghostwriter" wurde überwiegend in den Filmstudios in Potsdam Babelsberg gedreht. Polanski ließ in einer Grußbotschaft wissen: "Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet." Polanski droht in den USA ein Prozess wegen Vergewaltigung.
Der Große Preis der Jury ging an den rumänischen Film "If I want to whistle, I whistle". Der Film beschreibt einen jugendlichen Straftäter, der aus dem Gefängnis flieht, um seinem jüngeren Bruder zu helfen. Die männliche Hauptrolle in dieser Verfilmung eines Bühnenstücks der rumänischen Autorin Andreea Vălean wird von George Piştereanu, einem Laiendarsteller, gespielt:
Gleich drei beste Schauspieler geehrt
Shinobu Terajima erhielt einen Silbernen Bären als beste Schauspielerin. Sie konnte bei der Preisverleihung nicht anwesend sein. Terajima übernahm die Hauptrolle in dem japanischen Film "Caterpillar". Damit ging der Preis erstmals seit 35 Jahren wieder nach Japan.
Zum besten Schauspieler der diesjährigen Berlinale wurden gleich zwei Darsteller gekürt: Grigorij Dobrygin und Sergej Puskepalis im russischen Film "Kak ja provel etim letom | How I ended this summer". Puskepalis dankte allen Menschen, die die dreimonatigen Dreharbeiten in der Aktis durchgestanden haben. Dobrygin dankte bewegt unter anderem seinen Großeltern - und war schlicht überwältigt von dem Preis.
Russischer Film räumt mehrfach ab
Für herausragende künstlerische Leistungen überreichte Jurypräsident Werner Herzog Pawel Kostomarow einen Silbernen Bären für seine Kameraführung. Er hatte die Kamera in dem russischen Film "Kak ja provel etim letom | How I ended this summer" übernommen.
Der Silberne Bär für das beste Drehbruch ging an den chinesischen Film "Tuan Yuan | Apart Together" (Regie: Wang Quan'an), der zugleich als Eröffnungsfilm der Berlinale lief. Wang Quan'an widmete seinen Film bei der Preisverleihung kurzerhand der "Stadt Berlin".
"If I want to whistle, I whistle" erhielt zugleich den Alfred-Bauer-Preis. Regisseur Florin Serban widmete den Preis in seiner Dankrede "all den Kindern, die ihre Mütter nie gesehen haben".
"Sebbe" wird bestes Erstlingswerk
Als bester Erstlingsfilm wurde der schwedische Beitrag "Sebbe" ausgezeichnet, ein "senibler Film, der uns das Herz gebrochen hat", hieß es zur Begründung für den Film des Regisseurs Babak Najafi, der in der Sektion "Generation" gezeigt wurde.
Die Berlinale-Kamera ging an den japanischen Regisseur Yoji Yamada, der bereits sieben Mal mit seinen Filmen auf der Berlinale vertreten war - für seine "großartigen Verdienste und seine Freundschaft", wie Festivaldirektor Dieter Kosslick zur Begründung sagte. Yamada war mit "Otouto | About Her Brother" in diesem Jahr in Berlin vertreten.
Mehr als 300.000 Tickets verkauft
Über die Preisträger entschied eine siebenköpfige Jury unter Leitung des Regisseurs und Autors Werner Herzog. Ebenfalls in die Jury berufen waren Hollywoodstar Renée Zellweger und die deutsche Schauspielerin Cornelia Froboess. Klare Favoriten gab es bei der 60. Berlinale bis zuletzt nicht.
Die 60. Internationalen Filmfestspiele gehen am Sonntag mit dem Kinotag zu Ende. Traditionell beträgt der Preis für alle Vorstellungen an diesem Tag sechs Euro pro Ticket. Außerdem werden der Friedensfilmpreis und der Panorama-Publikumspreis verliehen.
Bis zum neunten Festivaltag verzeichnete die Berlinale mehr als 300.000 Besucher und erreichte damit erneut auf einen Publikumsrekord. Insgesamt wurden zum 21. Februar fast 400 Filme aus 58 Ländern gezeigt. Über den roten Teppich schritten Stars wie Leonardo DiCaprio, Julianne Moore, Ben Stiller, Pierce Brosnan, Shah Rukh Kahn und Gérard Depardieu.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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