rbb Fernsehen

rbbonline | Archiv

WAS!
WAS!

Do 05.01.12 20:15

Große Probleme mit dem kleinen Geld

Kleingeld ist vielen Menschen lästig, und so zahlen sie lieber mit großen Scheinen. Die Cents werden aussortiert und verschwinden in Spardosen – immerhin fast vier Prozent aller Münzen jährlich. Ein echtes Problem für die Einzelhändler. Sie müssen sich Münzrollen gegen Aufpreis bei den Banken besorgen.

Im Sommer 2004 sorgte die Bundesbank für Schlagzeilen: Sie forderte alle Verbraucher auf, beim Einkaufen möglichst passend zu bezahlen. Denn die Deutschen hatten in den zweieinhalb Jahren seit der EURO-Einführung viel mehr Kleingeld gehortet, als die Bundesbank geschätzt hatte. Die Münzprägeanstalten kamen mit dem Nachprägen nicht hinterher – und in den Ladenkassen wurde das Wechselgeld knapp.

Der Handel muss jährlich Hunderte Millionen Euro aufwenden, um sich bei der Bundesbank mit Wechselgeld zu versorgen.

Münzschwemme durch Kleingeld-Horter

Doch die Appelle der Bundesbank und des Handels an die Verbraucher fruchteten kaum. Gewohnheiten wie das Zahlen mit dem Schein statt mit klingender Münze lassen sich eben nicht so leicht ändern. Deshalb geben die deutschen Währungshüter seither kontinuierlich mehr Münzen in Auftrag. 2010 spuckten die deutschen Prägemaschinen bereits über eine Milliarde Münzen aus. Der überwiegende Teil dieser Münzschwemme besteht aus 1-, 2- und 5-Centstücken.

Denn die werden besonders gern gehortet - das zeigt die Münz-Statistik der Europäischen Zentralbank: Die Zahl der 1-Euro-Münzen verdoppelte sich seit 2002 - die der 1-Cent-Münzen vervierfachte sich dagegen: auf sage und schreibe 24,3 Milliarden Stück.

Klimpergeld abschaffen?

Reine Materialverschwendung - sagen Holländer und Finnen. Dort werden in Supermärkten und allen anderen Geschäften die Endpreise auf 5 Cent-Beträge gerundet. Die Folge: Der Handel braucht keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr - und spart dadurch in Holland schätzungsweise 30 Millionen Euro pro Jahr. Die Handelsverbände in Deutschland sind bislang gegen eine solche Preisrundungs-Regel, weil sie befürchten, dass die Kunden sie nicht akzeptieren würden. Aber bei der Drogerie-Kette DM hat man sehr gute Erfahrungen damit gemacht: Dort werden schon seit 1994 alle Endpreise auf 5 Cent gerundet.

Beitrag von: Robin Avram

Dieser Text gibt den Sachstand vom 09.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Münz-Statistik der Europäischen Zentralbank

www.ecb.int

Fragen und Antworten der Bundesbank zu Euro-Münzen

www.bundesbank.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/was/archiv/was__vom_09_01_2012/grosse_problem_mit.html

Fenster schließen!