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Mo 21.11.11 20:15

Bestatterfiliale in Tschechien

Der Konkurrenzkampf ist auch im Bestattergewerbe hoch. Billiganbieter drücken die Preise. Raymund Stelzer hat sein Berliner Bestattungsinstitut seinem Sohn überschrieben und ein neues Unternehmen in Tschechien gegründet. Das spart Steuern und Kosten für die Einäscherung.

Tschechien ist zwar EU-Mitglied, hat sich aber noch nicht für den Euro entschieden. Landeswährung ist die Krone geblieben. Dadurch können tschechische Unternehmen Dienstleistungen wesentlich preiswerter anbieten als deutsche Firmen. Im Besonderen gilt das für die Kremation.

Ein Vergleich

Berliner Krematorien (sie befinden sich in öffentlicher Hand) verlangen laut Gebührenordnung pro Einäscherung 249 Euro. In Brandenburg befinden sich die Krematorien hauptsächlich in Privathand. Dort kostet die Einäscherung im Durchschnitt 200 Euro.

In Tschechien dagegen geht’s viel preiswerter. So verlangt z.B. das Krematorium in Vysocany ca. 84 Euro pro Verbrennung. Schon seit Jahren nutzt die deutsche Bestatterbranche dieses Preisgefälle als Druckmittel im hart umkämpften Markt. Ganze LKW-Ladungen mit Verstorbenen werden nach Tschechien gekarrt, dort eingeäschert und als Asche in der Urne zurück gebracht. Zum einen wird die Urnenbestattung dadurch für den Kunden preiswerter. Zum anderen bleibt mehr in der Tasche des Bestatters hängen.

Der ehemalige Berliner Bestatter Raymund Stelzer geht nun sogar einen Schritt weiter. Er hat ein Bestattungsunternehmen in Tschechien gegründet und agiert dort als tschechischer Bestatter auf dem deutschen Markt. Damit entzieht er sich dem deutschen Fiskus, was ihm einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Denn das tschechische Steuerrecht ist wesentlich unternehmerfreundlicher als das deutsche.

Und noch einen Umstand macht sich Stelzer zu Nutze: In Deutschland ist die Beisetzung der Urnen auf Friedhöfen gesetzlich vorgeschrieben. (Friedhofspflicht). Ausnahme bildet die Seebestattung. Daher müssen deutsche Bestatter die Urnen mit der Asche der Verstorbenen wieder nach Deutschland einführen und für die Beisetzung auf einem Friedhof sorgen. In Tschechien existiert keine Friedhofspflicht. Dadurch sind tschechische Bestatter den Behörden, sowohl den tschechischen als auch den deutschen, gegenüber nicht rechenschaftspflichtig, wenn es um den Verbleib der Urne geht. Ein Umstand den viele deutsche Kunden zu schätzen wissen.

 

Beitrag von: Rüdiger Paschleben

Dieser Text gibt den Sachstand vom 21.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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