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rbbonline | Archiv

Für rund 80.000 Euro bestellte eine verwirrte Berliner Rentnerin jahrelang angeblich hochwertige Weine, die jedoch nur von minderer Qualität sind. Manche bezahlte Bestellung wird noch nicht einmal geliefert. was! hat einem ihrer dubiosen Weinhändler eine Falle gestellt und überführt.
Wie immer bei windigen Geschäften beginnt die Teufelei mit einem Telefonanruf. Zielgruppe sind vorrangig ältere Damen: alleinstehend, sehschwach, möglichst verwirrt, gar dement - aber nicht schlecht betucht. Ein Weinhändler meldet sich, sympathisch, redegewandt. Er möchte gern mal einen Besuch machen. Die Rentnerin freut sich über die Abwechslung und die kleine Aufmerksamkeit: Denn ein Präsent ist auch oft dabei. Da fühlt sich die Rentnerin geradezu verpflichtet, Wein zu bestellen. Und den meisten von ihnen ist gar nicht bewusst, dass die Ware viel zu teuer ist, dass sie einem Wucherer auf den Leim gehen.
Ganz zielgerichtet suchen sich Weinhändler ihre Opfer aus. Häufig werden deren Telefonnummern in der Szene regelrecht gehandelt. So kaufte eine Rentnerin aus Berlin-Frohnau innerhalb von sechs Jahren Wein für 80.000 Euro von vier verschiedenen Händlern. Der teuerste Wein kostete pro Flasche 390 Euro. was! fand heraus, dass die Flasche maximal 30 Euro wert ist.
Vertrauen ausgenutzt
Oft händigen die Kundinnen bereitwillig dem freundlichen Händler ihre Kellerschlüssel aus, damit er die Weinkartons ordentlich unterstellen kann. Dann quitierten sie die Annahme. Doch der Wein wurde gar nicht in den Keller gestellt.
Ein anderer Trick: Eine Rentnerin bestellte einen Karton Wein. Der Händler schrieb eine Null hinter die eins, die Frau übersah es und zeichnete gegen. Prompt wurden ihr 10 Kisten Wein in Rechnung gestellt und geliefert.
Schon seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen verschiedene Weinhändler. Ergebnislos. Zumeist können sich die Opfer nicht richtig erinnern, verwickeln sich in Widersprüche, erscheinen vor Gericht nicht glaubhaft. Zeugen gibt es keine.
Und da es immer mehr ältere Menschen geben wird, dürften sich den unseriösen Weinhändlern glänzende Perspektiven eröffnen.
was! macht den "Lockvogel"-Test
Um herauszubekommen, wie diese Masche funktioniert, hat unsere Redaktion eine Schauspielerin engagiert: Sie soll den Weinhändler zu sich einladen und ihn animieren, ihr den überteuerten Wein aufzuschwatzen.
Das Ergebnis war eindeutig: Der angebetone Wein ist dreimal so teuer wie im Geschäft.
Beitrag von: Rüdiger Paschleben
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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